Malvorführung auf der World Orchid Conference WOC 2026
Einblick in Entstehungsprozess
Im Sommer 2025 erhielt ich eine Einladung vom Verein Botanische Kunst, ein Werk für eine Ausstellung im Rahmen der 24. Welt-Orchideenkonferenz in Dresden einzureichen.
Das Projekt war klar definiert: eine botanisch fundierte Illustration einer Orchidee, die sowohl künstlerisch als auch wissenschaftlich beurteilt werden sollte. Zwei unabhängige Jurys würden die Arbeiten bewerten – eine mit Fokus auf botanische Genauigkeit, die andere auf künstlerische Qualität.
Für die Umsetzung habe ich mir dann ca. 9 Monate Zeit genommen.
Eine Orchidee Malen und Studieren über neun Monate hinweg
Der erste Schritt bestand nicht im Malen, sondern im Beobachten.
Über mehrere Monate habe ich mich intensiv mit der Orchidee beschäftigt. Nicht als einmaliges Motiv, sondern als sich veränderndes Objekt:
Wie entwickelt sich die Blüte?
Welche Strukturen bleiben konstant?
Wie verändert sich Licht auf den Blütenblättern?
Diese Phase bestand aus wiederholten Studien, Skizzen und Farbanalysen. Ziel war es, das Motiv nicht nur zu sehen, sondern zu verstehen. Auch in meinen Malkursen gebe ich immer wieder den Tipp, dass vor dem Malen das Sehen kommt: Formen, Strukturen, Farbnuance, Licht und Schatten wahrzunehmen.
Entwicklung der Komposition
Aus den Studien entstand nach und nach die endgültige Bildkomposition.
Ich habe mich bewusst für eine ruhige, reduzierte Bildsprache entschieden. Die Herausforderung lag darin, die Komplexität der Pflanze zu ordnen, ohne sie zu verlieren. Sehr gern wollte ich den Wachstumsprozess der Pflanze zeigen und fand es sehr spannend zu sehen, wie eine Blüte schon verblüht, während ein neuer Trieb heran wächst.
Dabei standen folgende Entscheidungen im Fokus:
klare Ausrichtung auf die Blüten
ausgewogene Negativräume
Reduktion sekundärer Details
visuelle Führung durch Form und Licht
Die Komposition entstand dabei nicht spontan, sondern als Ergebnis eines längeren Beobachtungsprozesses und vieler einzelner Skizzen. Um dann zu einem finalen Bildaufbau zu gelangen, arbeite ich gern mit Transaprentpapier um unterschiedliche Ideen übereinander legen zu können.
Umsetzung in Aquarell
Meine Illustration habe ich in mehreren Farbaufträgen umgesetzt. Dabei war mir die Transparenz der Blüten sehr wichtig und die lässt sich mit den transparenten Aquarellfarben wunderbar umsetzen. Ich arbeite im Aquarell bewusst kontrolliert, aber nicht vollständig planbar. Jede Schicht reagiert auf die vorherige, wodurch sich die Struktur des Bildes langsam entwickelt. Besonders die unterschiedlichen Texturen haben mich beim Malen und Betrachten interessiert - die geriffelten Bulben um Gegensatz zu den glatten, prallen Bulben, die jungen Knospen im Kontrast du den verblühenden Blütenblättern und die trockenen Blattstrukturen beispielsweise.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf:
präziser Farbmischung der Blütenbereiche
subtilen Tonwertunterschieden
kontrollierter Lichtwirkung innerhalb der Form
Die Orchidee sollte nicht nur dekorativ wirken, sondern in ihrer natürlichen Struktur nachvollziehbar bleiben.
Die Herausforderung weißer Blüten
Weiße Blüten gehören zu den technisch anspruchsvollsten Elementen in der botanischen Illustration. Da im Aquarell kein deckendes Weiß verwendet wird, entsteht die Form ausschließlich über:
das bewusste Aussparen des Papiers
sehr feine Schattenwerte
minimale farbliche Verschiebungen
Kontraste im Umfeld der Blüte
In der Umsetzung war es für mich daher entscheidend, die Balance zwischen Leichtigkeit und struktureller Klarheit zu halten.
Präsentation und Live Painting
Die fertige Arbeit wurde im Rahmen der World Orchid Conference März 2026 in Dresden präsentiert.
Begleitend dazu habe ich eine Live Painting Demonstration gegeben, in der ich den Entstehungsprozess erläutert und einzelne Arbeitsschritte direkt vor Publikum gezeigt habe.
Besucher konnten nachvollziehen, wie sich das Motiv aus Skizzen, Farbschichten und Entscheidungen Schritt für Schritt aufgebaut hat. Das Original der Orchideen-Illustration hat inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Es befindet sich in Privatbesitz in der Nähe von Prag.
Die Ausstellung war wunderbar anzuschauen und viele international bekannte Orchideenmaler waren mit ihren Werken vertreten.
Neben Illustrationen für Heimtextilien und Verpackungen ist auch die botanische Illustration Teil meiner künstlerischen Praxis. Parallel zu meinen freien Projekten entstehen regelmäßig Auftragsarbeiten, unter anderem für:
botanische Institutionen
Ausstellungen
private Sammler
individuelle Pflanzenstudien
Der Schwerpunkt liegt dabei stets auf der Verbindung von Beobachtung, Präzision und künstlerischer Interpretation.
Kontakt für Auftragsarbeiten
Wenn Sie Interesse an einer botanischen Aquarellillustration oder einer individuellen Auftragsarbeit haben, freue ich mich über Ihre Anfrage.